[woran ich mich erinnern will. KW33]

Am Dienstagmorgen 4:16 klingelte mein Wecker. Wenige Stunden später saß ich im Flieger nach Kiew.

Ich saß auf dem Mittelsitz. Links neben mir eine junge Frau in Hotpants die durchgehend Selfies von sich nahm. Mit Peacezeichen, mit ausgestreckter Zunge, mit winkender Hand. Rechts neben mir saß ihr Freund. Wenn sie keine Selfies schoß, quatschte sie mit ihrem Freund. Über mich hinweg. Als ich merkte, dass die beiden vermutlich sehr viel miteinander sprechen würden, bot ich dem Mann an, sich auf meinen Platz zu setzen. Er lehnte ab und zeigte auf seine langen Beine.

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Ich fahre tatsächlich seit Wochen der Hitze hinterher. Gerade ist es in Berlin etwas abgekühlt, jetzt fahre ich in den Ofen namens Kiew.

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Wir sollten vom Flughafen abgeholt werden. Die Frau die uns abholen würde schickte uns ein Foto mit, damit wir sie erkennen. Das Foto zeigte eine Frau von beinahe klischeehaftiger Schönheit. Ein kühler Blick, hohe Wangenknochen und wallendes, blondes Haar. Fast unangenehm.

Am Flughafen erkannte ich sie sofort und ich war etwas erleichtert, dass sie mollig war und einige Jahre älter als ich. Mehr eine umwerfend schöne Dame als klischeehaftige Schönheit. Ich weiß nicht, warum mich das erleichterte.

Sie trug ein elegantes, blaues Kleid, dazu blaue Pumps und eine Perlenkette. Sie fuhr einen Jeep. Ein junger Mann begleitete sie. Er sprach gutes englisch. Man wollte uns Kiew zeigen, das Englisch der Dame war nicht ganz flüssig, daher eignete es sich vermutlich, wenn jemand besseres englisch sprach.

Als wir zum Mittagessen ins Restaurant gingen ereignete sich folgendes: die Dame ging voran, hinter ihr meine Kollegin, danach ich und hinter mir der junge Mann. Vor der Tür blieb die Frau stehen. Dann schaute sie zu uns zurück und sagte etwas auf russisch. Es klang wie ein Vorwurf. Der junge Mann beeilte sich nach vorne und öffnete ihr die Tür. Ich bin mir nicht sicher wie ich das einzuordnen habe, jedoch ahne ich, dass mir als ältester Mann die Rolle des Türöffners zugedacht war. Danach achtete ich den ganzen Tag nur noch auf geschlossene Türen.

Bis wir ins Auto stiegen. Mein Platz war hinterm Fahrersitz, also stieg ich an der linken Seite ein, wo auch sie als Fahrerin einsteigen würde. Sie blieb vor der geschlossenen Autotür stehen. Der junge Mann, der eigentlich rechts vorne saß, lief schnell um das Auto herum und öffnete ihr die Tür. Ich verstehe sowas immer erst zehn Sekunden zu spät.

Für sie bin ich vermutlich ein Barbar.

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Wenn ich ehrlich bin, weiß ich wenig über die Ukraine. Hinter Frankfurt O kommt Polen, da kann ich die Städte noch einigermaßen gut verorten, aber hinter Krakau wirds dann schwierig. Lemberg, Kiew, Ostukraine, Moskau. So ungefähr. Luhansk kenne ich noch vom Europaleague Spiel gegen Hertha. Weiter unten ist die Krim, weiter oben die baltischen Staaten. Die baltischen Staaten kenne ich gut, da war ich bereits mehrmals. Aber die Ukraine. Punktpunktpunkt.

Nachts, wenn ich nicht schlafen kann, dann schaue ich auf Youtube manchmal diese endlos langen Filmfolgen von Dashcam Aufnahmen aus Russland an. Also Verkehrsunfälle, Leute die aus Autos aussteigen und andere Leute in Autos bedrohen und solch dummes Zeug. Von der Spree aus sieht die Ukraine eben aus wie ein kleines Russland. Also ein Land in dem Leute aus Autos aussteigen und andere Leute in Autos bedrohen. Nur in klein halt.

Dann liest man über das Problem mit den präparierten Geldautomaten und den militärischen Konflikt wegen der Krim und der Ostukraine. Von Gehältern bei 300€ pro Monat aber westlichen Preisen wenn man Essen geht oder Telefone kauft. Dann das kyrillische Alphabet. Straßenwerbung wirkt auf mich wie Werbung für Kosmonautenschulen oder antiamerikanische Propaganda. Regale mit Konserven sehen mit kyrillischen Schriftzeichen aus wie Notreserven für Atomschutzbunker. Hey, ich bin Kind der westeuropäischen Achtziger. Es ist geographisch so nah (näher als Madrid) aber so weit weg von meiner westeuropäischen Realität. Es ist auch nicht so exotisch wie Asien oder Afrika. Es ist für mich eher ungreifbar. Ungreifbar fremd.

Kiew ist mir dann erstaunlich unfremd. Es ist ein wenig so als hätte man Berlin mit Steroiden vollgepumpt und nach südwest Sizilien verpflanzt. Hier und da ein bisschen Mafia und rumhängende Männer mit Glatze, Bauch und Bier, richtig geil kaputte Straßen und fröhlich entspannte Liebespaare im Park, auch nachts, überall und überhaupt: entspannte Leute.

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Jetzt wo es in Kiew wieder etwas abkühl und ich zurück nach Berlin fahre, lese ich: neues Hitzewellchen in Teilen Deutschlands. Und Natürlich ist Berlin in diesem Teil des Landes, schließlich fahre ich ja der Hitze hinterher.

 

[was schön war KW32]

Weil ich mein Blog wiedergefunden habe, mache ich jetzt einfach weiter und schaue am Ende jeder Woche wieder zurück. Auf das was schön war. Oder auch nicht. Auf die Dinge an die ich mich erinnern will. Vielleicht benenne ich die Serie auch um.

Die erste Woche wieder zurück in Berlin. Während in Schweden die Temperaturen sich gerade begannen zu mäßigen, musste ich wieder zurück in den Ofen namens Berlin, der unter der Woche noch einmal richtig den Regler aufdrehte. Ich leide darunter sehr. Es ist keine Attitüde. Insbesondere die Nächte auf Mittwoch und auf Donnerstag waren für mich unerträglich. Ich kann mich nicht wirklich daran erinnern, geschlafen zu haben. Vermutlich verbrachte ich einige Teile der Nacht in einer Art Halbschlaf, die verbleibenden Teile schleppte ich mich durch die Wohnung auf der Suche nach kühleren Orten, manchmal fand ich mich nackt auf den Fliesen des Badezimmers liegend wieder, manchmal im Wohnzimmer auf den Dielen mit dem Rücken unterm Fenster ausgestreckt, in der Einbildung lebend, kühlere Luft würde vom Fenster über meinen Rücken hereinwehen.

Den Dienstagabend verbrachte ich bei 33 Grad mit dem spontanen Schreiben über den Winter 95/96. Selbsttherapie. Während der drei oder vier Stunden, die ich damit verbrachte, den Text zu schreiben, war mir wirklich angenehm kühl. Dann setzte ich den Text ohne großem Korrekturlesen einfach online und legte mich ins Bett. Sofort war der ganze Kühlungseffekt verschwunden. Nicht wegen des Korrekturlesens natürlich. Sondern weil die Geschichte nicht mehr da war.

Am Mittwochabend waren K und ich bei unseren Lieblingsnachbarn zum Essen eingeladen. Wir müssen dafür nur die Straße überqueren. Der Temperatur wegen sah ich es als angemessen an, Strandsandalen zu tragen, zu einer Boxershorts-artigen Hose und einem schwarzen Muskelshirt. Ich traute mich damit kaum auf die Straße. Was würden die Nachbarn bloß von mir denken. Aber da ich es der Temperatur wegen so angemessen fand, tat ich es trotzdem und im Nachhinein wäre ich mit einer langen Hose vermutlich gestorben. Unsere Lieblingsnachbarn schenkten außerdem Bier ein. Und Wein. Und Campari. Mein Körper heizte sich auf wie ein Steinofen. Trotzdem war ein außerordentlich netter Abend, ich hätte da noch ewig sitzen und quatschen können.

Am Freitag flogen wir nach München und mieteten uns ein Auto, mit dem wir nach Innsbruck zu einer Hochzeit fuhren.

Ich schreibe Innsbruck immer zuerst Inssbruck bevor ich es auf Innsbruck korrigiere. Der erwartbare Fehler den ich noch nicht um die Ecke kommen sehe. Auch habe ich eben dreimal das Wort nachkorrigieren müssen, weil ich bei Inssbruck (jetzt lasse ich es mal stehen) immer erst groß Anlauf nehme, weil gleich ein Doppelanschlag kommt, beim Doppelanschlag merke ich jedoch immer, dass ich zu viel Anlauf genommen habe und der Doppelanschlag dann erst beim nächsten Buchstaben landet. Inssbruck schreiben ist für mich eher ein Geschicklichkeitsspiel, das ich üben und über muss, wie kickern oder Tischtennis.

 

Auf der Hochzeit in diesem Dorf unweit von Innsbruck begegnete ich einigen Menschen die ich 25 Jahre nicht mehr gesehen habe. Ich war total gespannt auf die Lebensgeschichten die sie mir zu erzählen hätten, es gab jedoch keinen Rahmen mit diesen Menschen zu sprechen, da ich sie zu wenig gut kannte und das Programm der Hochzeit dermaßen durchgetaktet war, dass mir am Ende des Abends, als die Band zu spielen begann und der Alkohol sich in meiner Birne breit machte, schlicht die Energie fehlte.

Ein seltsamer Zufall wollte, dass sowohl K als auch ich ausschließlich schwarze Kleidung in die Koffer gesteckt hatten. Schwarze, feine Hose, schwarzes Jacket, schwarze Weste. K ein schwarzes Kleid und schwarze Schuhe. Wir sahen auf der Hochzeit aus, als würden wir ein Begräbnis schwänzen. Mir kommt vor, wir fielen auf. Nicht immer durchweg positiv.

[Winter 95/96]

Als ich im Dezember 1995 in die Niederlande zog, hatte es bereits Minusgrade. Ich kannte Karel, einen jungen Hausbesetzer in Utrecht, bei dem ich eine Weile unterkommen konnte. Bis ich eine eigene Bleibe gefunden hatte, da ich ohnehin länger in den Niederlanden bleiben wollte. Ich war in diesem engen, habsburgerisch-grauen Wien nicht zurechtgekommen, ich brauchte einen Neuanfang.

In Schiphol rief ich Karel an, der mir noch die letzten Details der Wegbeschreibung mitgab. Dabei warnte er mich vor, dass das Gästezimmer keine Heizung habe und es momentan leider etwas kühl sei, aber in der Küche gäbe es einen Gasofen, der meistens ausreiche. Man könne dort prima sitzen und etwas lesen oder fernsehen.

Als ich in Utrecht ausstieg war es noch einmal deutlich 2 oder 3 Grad kälter als in Amsterdam. Ich musste mit der Tram in einen Außenbezirk fahren und dort noch ein Stück laufen. Den niederländischen Winterwind war ich noch nicht gewohnt, ich würde einige Winter dafür brauchen. Also hielt ich die Hände gut verstaut in den Jackentaschen und vergrub das Gesicht so gut es ging im Kragen. An eine Mütze oder einen Schal hatte ich nicht gedacht, aber das würde ich schon aushalten.

Die Schule war ein dünnwändiger Flachbau aus den siebziger Jahren. Anfang der Neunziger hatte man Asbest darin entdeckt, woraufhin die Schule in Leerstand geriet. Danach stritt sich der Bildungsträger jahrelang mit der Stadt und in der Zwischenzeit zogen Besetzer ein. Eigentlich eine feine Situation für Hausbesetzer, solange man keine Nägel in die Asbestwände haut oder diese rausreißt und Zimmer zusammenzulegen.

Das Gebäude hatte dünne Wände aus Asbestplatten, die von einem Holzrahmen getragen wurden. Außerdem äußerst große, einglasige Fensterscheiben. Ich fragte mich, warum man in einem kühlen Land wie die Niederlande überhaupt auf diese Weise baut. Die Schule war natürlich kaum beheizbar. Die Küche war nicht eine kleine Küche mit einem kleinen Fenster und einem kleinen Tisch mit einer knuffeligen Ofenheizung. Die Küche war ein ehemaliges Klassenzimmer. Also etwa achtzig Qadratmeter groß. Mit einem kleinen Gasofen, der für eine kleine knuffelige Küche ausgereicht hätte. Die Wärme des Ofens entwich durch die Wände und die Fenster. Ging man vom Ofen weg in Richtung Fenster schritt man durch 5 verschiedene Klimazonen. Am Fenster vereiste das Kondenswasser.

Karel meinte, es sei schon ganz besonders kalt gerade.

Das Gästezimmer war ein ehemaliges Abstellzimmer. Es war kleiner als die ständig bewohnten Klassenzimmer, was im Winter gut war, weil es sich theoretisch besser aufheizen ließ. Außerdem besaß es keine Fenster, was gegen Kälte druchaus gut sein kann. Andererseits war es eben auch das Zimmer ohne Heizung. Aber das würde ich schon aushalten. Außerdem wollte ich mir eine feste Bleibe suchen, das unbeheizte Zimmer würde nur eine vorübergehende Lösung sein.

Die ersten Wochen verbrachte ich damit, mich nach leeren Häusern umzusehen und mich mit Leuten zu verabreden, die ein Haus besetzen wollten. In Utrecht wurde damals jede Woche ein Haus oder eine Wohnung besetzt. Das war Routine. Es war sogar legal, solange man nachweisen konnte, dass das Haus mindestens 6 Monate leer stand. Dann bekam man Hausfrieden zugesprochen, also recht auf Wasser, Gas und Strom. Die Besitzer mussten die Besetzer dann rausklagen. Was ihnen allerdings immer gelang.

In jenen Dezembertagen schlich ich mich nächtelang durch die eisigen Utrechter Gassen um vermeintlich leerstehende Häuser auszukundschaften. Prüfen ob nachts Licht brennt, Streichhölzer in den Türrahmen stecken und in den nächsten Nächten mehrmals nachsehen ob die Streichhölzer noch steckten, weil man dadurch herausfinden konnte ob zwischenzeitlich die Tür geöffnet wurde. Kurz vor Weihnachten war das natürlich nicht hundertprozentig aussagekräftig, kleine Häuser konnten da schon mal über mehrere Wochen leer stehen und in Utrecht sind die alten Häuser oft so klein, dass sie tatsächlich nur von einer einzigen Familie oder einer einzigen Person bewohnt werden. Für jene Nächte hatte ich mir Handschuhe, eine Mütze und einen Schal zugelegt. Wenn ich mit meinem neuen Freund Jochem durch die Straßen lief, redeten wir eigentlich kaum, es war zu kalt um freiaus zu reden. Unsere Gesichter waren im Schal und unter der Mütze verschwunden. Wir redeten nur über die Eckdaten „Streichholz noch da“ „Gut, kein Licht“ „Lass uns ein Bier trinken gehen“.

In die Kneipe zu gehen und das erste Bier zu trinken war immer das schönste. Wenn man rein in den warmen Raum geht, Schal und Mütze abnimmt und das erste Bier von innen her Ohren und die Nase auftaut.

In der Zwischenzeit wohnte ich noch in der besetzten Schule in diesem unbeheizten Zimmer. Ich schaffte mir einen kleinen Gasstrahler für 10 Gulden und eine Propangasflasche an. Als die anderen Bewohner der Schule das erfuhren, gab es ein Riesentheater, da man man keine Gasflaschen im Haus haben wollte. Vor drei Jahren war ein besetztes Haus an der Aquamarijnlaan wegen einer Gasflasche in die Luft geflogen. Die Stimmung war eindeutig gegen mich, ich musste mich von der Gasflasche verabschieden und sie wieder zurückgeben. Mich ärgerte das ungemein, nicht nur wegen der Kälte sondern auch, weil ich für die Flasche einmaligen Pfand bezahlt hatte, den ich nicht wieder zurückbekommen würde. Das waren immerhin 30 oder 40 Gulden. Eine Menge Geld für mich. Damals war ich noch nicht so gut vernetzt, dass ich die Flasche in der Zwischenzeit bei jemandem unterbringen hätte können, auch Jochem gab mir zu verstehen, dass Gasflaschen seit dem Aquamarijnlaanvorfall, in seinem Haus unerwünscht seien. Ich wollte mich aber nicht von der Flasche trennen und versteckte sie daher im Unterholz eines Baumes am Ufer der Catharijnesingel. Ich kam da jeden Tag daran vorbei, wenn ich mit dem Fahrrad von der Innenstadt zu meiner Unterkunft in die Lanslaan fuhr. Das äußere Ufer der Catharijnesingel ist eine Böschung mit mehreren alten Bäumen. Da jener Abschnitt sehr stark befahren war gab es faktisch keinen Fußgängerverkehr, allerdings einen Fahrradweg, so konnte ich nachts einfach anhalten und die Gasflasche ins Unterholz legen und hoffen, dass sie einige Wochen unentdeckt blieb.

Zu Weihnachten waren die meisten Bewohner der besetzten Schule weggefahren. Nur wenige Leute blieben zuhause. Wir kochten gemeinsam und tranken das eine oder andere Bier. Aber der Gasofen fiel ständig aus, so musste der Zündknopf etwa alle zehn Minuten händisch gedrückt werden. Nach dem zweiten oder dritten Bier verschwanden nacheinander alle in ihre Zimmer. Ich blieb noch eine Weile in der Küche, aber das ständige Anschalten des Ofens nervte mich irgendwann auch, also ging ich in mein Zimmer, verkroch mich in meinen Schlafsack, der für minus zwanzig Grad angelegt war, und las ein Buch.

In jenen Wochen wachte ich jeden Morgen mit einer kalten Nase auf. Ich kroch aus dem Schlafsack heraus, zog meine Kleider aus, waschte mich, und zog die Kleider wieder an.

Mitte Januar besetzte ich mit Jochem, Nicolette und Linda ein Haus in der Lange Nieuwstraat. Ein knuffeliges, kleines Altstadthäuschen aus dem 17. Jahrhundert. Das Haus bestand aus einem Erdgeschoß, einer ersten Etage und einem Dachgeschoß. In den beiden Obergeschossen befanden sich je zwei Zimmer. Das Erdgeschoss war früher ein Gewerberaum, er ließ sich kurzfristig nur als Lagerraum verwenden, aber wenn wir dort länger wohnen bleiben würden, wollten wir es als Wohnzimmer umfunktionieren.

Die Obergeschosse waren zum Teil ausgebaut und renoviert worden, es gab funktionierende Wasserleitungen aber keine intakten Stromleitungen. Es gab auch ein ein Heizungssystem. Zentralheizung mit Leitungen und schicken Heizkörpern. Allerdings keinen Boiler bzw Verbrenner, der die Heizung mit Hitze versorgen konnte.

In der Hausbesetzerszene gab es immer außerordentlich viele Fachkräfte. Für jedes technische Problem gab es immer jemanden, der es lösen oder reparieren konnte. In besetzten Häusern gab man sich allgemein aber auch immer schnell mit Provisorien zufrieden. Heizungen waren immer entweder Holzöfen oder Gasöfen. Eine Zentralheizung war teuflische Raketentechnik.

Wir fanden im ersten Winter niemanden der unsere Zentralheizung in Gang setzen konnte. Richtige Heizungsfirmen hätten das sicherlich lösen können, aber vermutlich hätten sie von uns keinen Auftrag angenommen und zweitens wäre uns das sicherlich teuer zu stehen gekommen.

Ich zauberte natürlich meine Gasflasche von der Catharijnesingel hervor. Mein Gasstrahler den ich an die Flasche anschließen wollte, war natürlich nicht mit einer leistungsstarken Heizung zu vergleichen. Er produzierte keine Umluft, sondern er strahlte einfach starke Hitze in seiner unmittelbaren Nähe ab. Er eignete sich also eher dafür, direkt davor zu sitzen und sich zu wärmen, oder ihn neben sich stehen haben und sich anstrahlen zu lassen während man Karten spielt. Er konnte aber, wie sich später herausstellen würde, einen kleinen Raum auch durchaus komplett aufwärmen, wenn man ihn lange genug brennen ließ.

Aber auch in meinem neuen Haus stieß die Gasflasche auf Ablehnung. Die Aquamarijnlaan.

Die ersten Nächte waren eisig. Trotz der kleineren Räume war es deutlich kälter als in der Lanslaan. Unser neues Haus war monatelang unbewohnt gewesen und damit auch die ganze Zeit über unbeheizt geblieben. Die Kälte saß in den Steinen der Mauern, sie strahlte regelrecht davon ab.

Nach der dritten oder vierten Nacht zapften wir den Strom an, legten ein langes Kabel in Nicolettes Schlafzimmer und schafften uns einen elektrischen Radiator an. So lange wir den Strom illegal verwendeten war das durchaus eine Lösung. Wenn wir mal dafür zahlen mussten, war das natürlich keine Option mehr, denn elektrische Radiatoren fressen Strommengen, die unser Geldbeutel nicht hergeben wollte. Aber wir spekulierten darauf, dass unser Stromkonsum den Winter über unentdeckt bleiben würde.

Durch Nicolettes etwas unprivaten Lebensstiles, verwandelte sich ihr Zimmer bald in so etwas wie das Wohnzimmer. Sie hatte immer Besuch und immer saßen irgendwelche Leute auf ihrem Bett. Das war ungemein praktisch, weil wir deswegen wirklich ein relativ warmes Zimmer im Haus hatten. Der Radiator lief Tag und Nacht und weil immer jemand anwesend war, blieb das Zimmer durchgehend auf einer eher günstigen Temperatur. Der Radiator war nicht besonders leistungsstark und draußen waren die Temperaturen wieder in den zweistelligen Minusbereich gerutscht, aber wenn wir uns einigermaßen ernsthaft bekleideten hielt es uns vom Frieren ab.

In der ersten Februarwoche froren dann die Grachten zu. Das sorgte allerdings auch für gute Stimmung. Man bewegte sich nicht mehr auf den Straßen, sondern spazierte auf dem Eis der Grachten. An den Ufern wurden spontane Glühweinstände eröffnet. Menschen fuhren mit den Schlittschuhen. Man konnte auf den Kaimauern sitzen und dem Treiben zusehen, wo sonst nur Wasser war.

Nachts schmissen betrunkene Leute Kühlschränke und Fahrräder von den Brücken aufs Eis. Die Kühlschränke blieben einfach auf dem Eis liegen. Sie waren nicht schwer genug um das Eis zum Einbrechen zu bringen.

In jener Woche wurde uns dann der Strom abgestellt. Damit war die Traumzeit mit dem elektrischen Radiator vorbei. Das Haus kühlte schnell wieder aus, schließlich war ja nur das eine Zimmer mäßig beheizt worden.

In den beiden häuslich warmen Wochen hatten wir uns auch einen alten Kühlschrank angeschafft. Wir wussten jetzt nicht, was wir mit der Milch und der Butter anfangen sollten. Im Kühlschrank stehen lassen, weil es draußen zu kalt ist? Ich kann mich nicht mehr erinnern wie wir uns entschieden.

Wenige Tage darauf meldeten wir aber den Strom an. Das gab natürlich Stress mit der Stromgesellschaft weil die Bleiversiegelung durchgebrochen war. Aber wir wussten davon nichts, wir sind erst gestern eingezogen. Der Mann vom Strom quittierte das mit Wegwerfgesten. Er schloss uns aber an. Den Radiator würden wir allerdings nicht mehr verwenden. Allerdings hatten wir wieder Licht und auch der Kühlschrank funktionierte wieder.

Die Temperaturen blieben jedoch niedrig, nachts hing das Mercurius bei Minus 15 Grad herum. Tagsüber wurde es manchmal einstellig. Meistens aber nicht. Ich schlief mit Mütze. Jochem auch. Nicolette hatte immer Männer im Bett. Das fand ich auch kreativ. Linda weiß ich nicht mehr. Oft schlief sie auch bei Nicolette. Aber nicht wenn Männer da waren.

So war das. Irgendwann ging der Winter aber wieder weg.

[Ulaubstagebuch 7]

Am vorletzten Abend noch ein paar Flaschen Stigbergets getrunken. Ich würde gerne poetische Texte über Bier schreiben können. Dann würde ich Texte über das “Amazig Haze” und das “Westcoast IPA” von der Göteborger Brauerei Stigbergets verfassen. Minnesängermäßig. Ich kannte diese beiden Biere schon aus Berlin, mittlerweile bekommt man sie ja auch hier. Ich mag nicht alles von Stigbergets, aber. Diese beiden Biere. Wenn ich nach einem heißen Tag den ersten Schluck vom “Amazing Haze” nehme, muss ich danach immer die Augen schließen und zu Boden schauen, damit niemand merkt wie meine Augen feucht werden.

Am Freitag haben wir eigentlich nur gepackt. Was in einen kleinen UP! alles hineinpasst, das glaubt einem niemand.

Endlich hat sich das Wetter abgekühlt. Schaue ich allerdings auf das Wetter in Berlin, ist alles beim Alten. Schlimmer noch, es soll wieder 37 Grad heiß werden. Hitze und ich, wir werden keine Freunde mehr.

Die Reise verläuft so gut wie unkompliziert. Irgendwann in Dänemark fängt mein Auto an zu klappern. Ein Geräusch aus dem hinteren Teil. Im Seitenspiegel sehe ich, dass ein Kotflügel lose ist. Wenn ich schneller als 100 fahre, klappert er, fahre ich langsamer beruhigt er sich. Ich hatte mal ein unglückliches Aufeinandertreffen mit dem Bordstein, seitdem macht der Kotflügel Schwierigkeiten. Dass er bei 100kmH klappert, ist allerdings neu. An der nächsten Tankstelle kaufen wir silbernes Panzertape und kleben den Kotflügel fest. Er hält die ganze Fahrt lang wunderbar. Ich kann sogar 160 damit fahren und alles bleibt stabil. Und ich fahre ständig 160, ich weiß nicht, was mit mir passiert ist, war ich bis im letzten Jahr ein notorischer 80-Fahrer, komme ich mir neuerdings mit 120 immer vor wie ein Schleicher, wenn ich dann zufällig wiedermal auf das Tacho schaue, düse ich wieder mit 160 dahin. Die Entwicklung gefällt mir nicht. Trotzdem überhole ich immer gerne dicke Autos. Auch wieder so eine Sache über die ich mal näher drüber nachdenken sollte.

Zwei Ampeln vor unserem Zuhause ploppt unser Nachbarchat in Whatsapp auf. Die Nachbarin fragt, wann wir eigentlich wieder zurück in Berlin sind. Ich schicke ihr die Standortkoordinaten zu. Das sieht natürlich lustig aus.

Als wir parken, kommt sie gerade vom Supermarkt und lacht.

Hemma.

[Urlaubstagebuch 6]

Badminton gespielt. Der Hund versteht den Federball nicht als Hundespielzeug. Er lässt uns in Ruhe.

Dieses Jahr sind wir nie wirklich in den Wald gegangen. Also ganz tief in den Wald, zum Beeren- und Pilzepflücken. Wälder sind ja gruselig. Unübersichtlich, dunkel. Wenn man sich aus den Augen verliert, kann man sich auch richtig verlieren. Der Wald schluckt die Rufe nach dem Anderen. Es fehlt oft an Orten der Orientierung. Wenn man innerlich düster wird, sieht man plötzlich überall hinter den Bäumen Bewegungen.

Der Hund sitzt beim Essen immer bei mir unterm Tisch. Ich habe das bisher als Zeichen seiner Liebe interpretiert. Heute wurde ich eines besseren belehrt. Er sucht sich die Person aus, bei der statistisch die meisten Reste vom Tisch fallen.

Wir fahren zum Mio Möbelhaus nach Borås. Letztes Jahr hatte ich mich dort in einen Loungesessel verliebt. K meinte damals, so einen Sessel würden wir auch in Berlin finden und zwar wesentlich günstiger. Auch ich war nicht bereit 600€ für einen Sessel hinzublättern. Das ganze Jahr über suchte ich also nach einem ähnlichen Sessel in Berlin und fand nicht annähernd einen der mir so gut gefiel. Den Sessel gab es nicht auf der Mio Webseite, also blieb mir nichts anderes übrig als weiterzusuchen und auf meine nächste Schwedenreise zu hoffen.

Mein Sesselproblem ist ein Firstworldproblem. Ich schaue ja viel Fußball, allerdings mag ich es nicht, im Wohnzimmer auf dem Sofa zu gucken, für mich gehört Fußball in die Küche, also dort wo etwas los ist, wo ich auch stehen kann, wo ich auch nebenher kochen kann. So haben wir das aufgeteilt. Wohnzimmer ist K’s Bereich, die Küche ist eher mein Bereich. So auch unser Fernsehverhalten. Ich schaue in der Küche Fußball. In der Küche möchten wir aber kein Sofa stehen haben, denn es ist ja eine Küche, wenn ich Fußball gucke nehme ich also immer einen der Sessel aus dem Wohnzimmer und parke ihn in der Küche.Der Wohnzimmersessel ist zwar gemütlich, er ist aber klobig und ziemlich schwer, weil ich oft zu faul bin, den Sessel wieder zurück ins Wohnzimmer zu bringen, lasse ich ihn manchmal die ganze Woche mitten in der Küche stehen (in 5 Tagen kommt ja eh wieder Fuba), was aber auch bedeutet, dass man eine ganze Woche lange Bogen um den Sessel machen muss.

Der Sessel muss folgende Kriterien haben: eine große Sitzfläche (ich muss mich viel darin bewegen können, Position wechseln, Füßen hochziehen, Beine in allen Richtungen legen können), an den Seiten nicht offen (damit das Handy nicht runterfällt), er muss leicht sein (damit ich ihn easypeasy vom Wohnzimmer in die Küche tragen kann), er muss drehbar sein (die Aufregung! Die Aufregung!) und vor allem: er muss gut aussehen.

Was er nicht sein muss: er muss nicht hundertprozentig gemütlich sein.

Bei Mio in Borås stehen jetzt an genau der selben Stelle wo letztes Jahr meine Sessel standen, vier Drehsessel die supergut aussehen und leicht sind, aber nur eine kleine Sitzfläche haben und an den Seiten offen sind, also nur 60% der Kriterien erfüllen. Dafür zum gleichen Preis wie letztes Jahr.

Nein, keine Pointe.

Vielleicht lasse ich das mit dem Fussball aber auch sein. Spare ich mir Geld für einen Sessel und dem Skyticket. Ich denke alle paar Tage darüber nach, das mit dem Fussball ganz sein zu lassen. Die Inflationäre Entwicklung mit dem Geld, die Kultivierung der Dumpfheit, die kurze Zündschnur der Leute, Fußball ist eigentlich durchgehend verwerflich. Wäre da nicht dieser dramatische Faktor. Diese Dramaturgie die der Fußball Woche für Woche schreibt.

Weiß nicht. Einen schönen Sessel kann man notfalls ja immer noch brauchen.

[Urlaubstagebuch 5]

Den ganzen Tag lang über Schlangen gelesen. Vor allem über die europäischen Varianten. Ich bin jetzt Schlangenprofi, wenn ihr etwas über Schlangen wissen wollt, nur zu.

Das Internet in Schweden. Wir haben hier Glasfaser bis ins Haus. Ich will mal verdeutlichen wo wir uns befinden: Der nächste Nachbar ist die Tante meiner Frau, die einen Kilometer flussaufwärts wohnt. Auch in einem roten Holzhaus mit Plumpsklo. Die nächste Asphaltstraße befindet sich anderthalb Kilometer nördlich. Der Weg dorthin ist aber so schlecht, dass wir mit dem Auto immer den südlichen Weg nehmen um auf eine feste Straße zu gelangen. Dieser ist zwar fast 5 Kilometer lang, aber in weiten Teilen besser befahrbar. Das nächste Dorf ist sechs Kilometer entfernt. Da gibt es aber keine Geschäfte, nicht mal einen Bäcker, deshalb fahren wir da nie hin. Der nächste Supermarkt ist etwa 16 Kilometer entfernt, in  Richtung Süden. Dort kann man auch Alkohol kaufen. Östlich von uns ist gefühlt gar nichts. Wenn ich auf Googlemaps scrolle, dann sehe ich zugewachsene Seeen, in etwa fünf Kilometern Entfernung ein paar (vermutlich Holz-) Häuser, aber lange, lange kein Dorf und irgendwann sehr weit weg kommt eine größere Straße.

Es gab hier im Wald schon 4G und LTE als Berlin noch voller Funklöcher war. Vor drei Jahren hat man dann die Glasfaserleitung gezogen. Richtig aufwändig unter den Fluss hindurch. Ab dem Fluss kam ein kleiner, lustiger Minibagger der einen 20cm breiten Graben quer durch den Wald grub. Der ganze Aufwand für drei Häuser, die auf dieser Seite des Flusses stehen, wovon zwei nur im Sommer bewohnt sind.

Ich schreibe diesen Text während ich mit einem Gigabit am Internet hänge. Wir schauen hier Netflix, nebenher läuft Internetradio oder Spotify. In Berlin beträgt meine Höchstgeschwindigkeit ziemlich genau ein Zwanzigstel dessen. In der Hauptstadt, you know, einer der größten Industrienationen, Hub der Internetfirmen.

Es ist so heiß. Im Haus ist es so warm, dass ich nicht darin sitzen will. Im Schatten vor dem Haus ist es so warm, dass ich nicht sitzen will, außerdem habe ich schon so viel über Schlangen gelesen, dass ich ganz unentspannt bin, wenn ich im Freien herumsitze. Also spaziere ich ein paarmal hinunter zum Fluss und wieder hinauf. K begleitet mich. Wir sind so träge, wir machen kleine und langsame Schritte, laufen gebückt, versuchen uns von Schatten zu Schatten bewegen. Unten auf der offenen Wiese beim Fluss ist es unerträglich. Auf einmal sehen wir einen fremden Menschen. Einen Menschen. Irre. Wir sind so überrascht als wäre es ein Ufo. Es ist eine Joggerin. Sie trägt einen Tanktop, hat stählerne Bauchmuskeln, einen blonden Zopf und Kopfhörer. Als würde sie durch Mitte joggen. K sagt: Bauch einziehen. Wir ziehen beide den Bauch ein. Die Joggerin grüßt freundlich und auch wir sagen: hej.

Sekunden später ist der Spuk vorbei.

Übernächste Woche fahren wir zu einer Hochzeit in die Nähe von Innsbruck. Ich freue mich schon sehr auf das klimatisierte Hotelzimmer. Das meine ich durchaus ernst. Ich habe diese Phantasie gestern Nacht als Einschlafhilfe verwendet. Ich stellte mir vor, wie ich nackt auf dem Hotelbett mit eingeschalteter Klimaanlage liege. Alleine. Ich schlief wie ein Lämmchen ein.

Heute schaute ich in meine Reiseunterlagen. Das Hotel heißt “Zur Sonne”. Ah, fickdich.

Es regnet. Seit 5 Minuten. Dieser Geruch. Ausrufezeichen.

 

[Urlaubstagebuch 4]

Gestern Abend lag eine Schlange vor dem Haus. Wir hatten gerade fertig gegessen, als ich aufs Klo gehen wollte. Dafür muss man etwa 50 Meter über eine Wiese laufen. Ich ging vors Haus und sah etwas schwarzes, langgestrecktes im Gras liegen. Ganz deutlich eine Schlange. Sie bewegte sich nicht. Sie war nicht aufgerollt, wie ich es von sonnenden Schlangen erwarte hätte, sondern langgestreckt, ausgerollt. Da ich mit Schlangen nicht sonderlich erfahren bin, rufte ich K. Es war eine Kreuzotter. Auf schedisch nennt man sie Huggorm, das kommt von huggen was so wiel wie einhaken bzw beißen, also mit Haken einbeißen bedeutet. Kein freundliches Wesen also.

Ihre Anwesenheit sorgte für Nervosität. Der Hund wurde weggesperrt und alle kamen aus dem Haus. Wir berieten uns. Da sie sich nicht bewegte, testete der Bruder sie auf Lebenszeichen. Wenn man sie mit einem (langen) Stock anstupste, wand sie sich und schlängelte sich ein Stück von uns weg in Richtung der großen Linde.

Da sie sich aber nicht anstellte zu verschwinden beschloss der Bruder, sie mit einem Stock aufzuheben und in die nahegelegene Wiese zu bringen. Die Schlange mochte das gar nicht, sie fauchte laut wie eine Katze und bäumte sich auf. Mir wurde mulmig, ich fand das keine gute Idee. Das Fauchen beeindruckte uns vermutlich alle. Wir hielten einen großen Sicherheitsabstand und starrten gebannt auf das Kriechtier. Dann verkroch es sich unter den herabgefallenen Blättern der Linde.

Danach kann ich nicht gut einschlafen. Zum einen ist es wieder zu warm, auf der anderen Seite juckt es mich ständig, da ich zu viel an Schlangen gedacht habe. Wenn ich die Füße unter der Decke habe, ist es mir zu warm, lasse ich sie aber unbedeckt baumeln, fürchte ich, dass Schlangen mir in die Zehen beißen. Das letzte Mal, als ich auf die Uhr schaue, ist es halb drei Nachts. Bald danach muss ich wohl doch eingeschlafen sein.

Heute soll es wieder 33 Grad werden. Die Regenprognosen wurden mittlerweile alle aus dem Wetterverlauf gestrichen.

Bevor es warm wird spielen wir mit dem Frisbee. Wir sind sehr bemüht, keine blöden Würfe zu machen die den jeweils anderen zum Bücken oder Laufen zwingt, sondern werfen uns die Scheibe so zu, dass sie möglichst perfekt beim Mitspieler ankommt. Was ich bisher nicht wusste: der Frisbee ist ein erstaunlich spannendes Spielgerät, das man auf vielfältige Weise durch die Luft werfen kann. Man kann tatsächlich schöne Würfe machen und weniger schöne. Ich bin sehr bemüht, schöne Würfe zu machen die so perfekt wie möglich bei den Mitspielern ankommen und dabei schöne und Flugbahnen hinlegen. Es gelingt natürlich nur selten, solche schönen Würfe zu werfen, aber das ist vermutlich nur eine Frage der Übung.

Das Dumme ist nur, dass der Hund mitspielen will. Normalerweise wird der Frisbee für den Hund geworfen, den er dann holt. Wieder und immer wieder. Sobald der Hund den Frisbee sieht, will er damit spielen. Dass wir uns die Scheibe immer einander zuwerfen, scheint ihn nicht weiter zu stören. Manchmal fängt er ihn aber und verschwindet damit unterm Tisch wo er den Frisbee beschützt wie eine Beute.

Später werden wir alleine gelassen. Die Familie fährt in die Stadt. Wir werden gefragt ob wir die Blätter unter der Linde zusammenrechen können. Dass da eine Giftschlange herumliegt behagt niemandem so richtig. Ich erkläre mich bereit. Nachher als wir alleine sind merken wir, dass das irgendwie keine gute Idee ist. Wenn ich von der Schlange gebissen werde komme ich nicht so schnell ins Krankenhaus. Bis ein Krankenwagen hierher gefunden hat, bin ich vermutlich schon tot.

[Urlaubstagebuch 3]

Samstag fahren wir nach Kungsälv, einem kleinen Vorort von Göteborg. Verwandtenbesuch. Verwandtenbesuch sorgt ja immer für rollende Augen, ich werde daher gefragt ob ich da hinfahren möchte. Mein Problem ist ja, dass ich Menschen liebe. Die Frage ob ich wildfremde Menschen in einer wildfremden Stadt besuchen möchte löst bei mir ja nur ein begeistertes “Ja!” aus. Menschen kennenlernen, Biografien hören, sehen wie sie wohnen, was sie essen, das ist alles sehr aufregend, zumal ich in Schweden bisher nur die Lebensumstände von Landbewohnern kennengelernt habe, das urbane Leben in Schweden kannte ich bisher nur aus der Touristenperspektive. Der Cousin und seine Freundin leben in einem weißen, zweistöckigen Holzhaus. Es ist nicht ganz so urban wie ich es mir gewünscht hatte, sondern ein freistehendes Haus mit Garten in der  Vorstadt, aber das vergesse ich schnell, es sind sehr nette Menschen, die uns zuerst einen eiskalten, selbstgemachten Sangria servieren und als uns der Kopf schon dreht, einen köstlichen Lachs mit verschiedenem Gemüse auftischt. Das Haus ist von Innen genau so wie man sich skandinavische Häuser von innen vorstellt. Hell, helle Möbel, viel weiß, gemütlich reduziert, nicht zu stylisch, eher schlicht. Wir reden über die Lebensumstände. Mich interessiert es wirklich wie Leute leben, auch wenn das Leben eines endvierziger Paares (beide Lehrer) ein eher sorgenfreies Leben darstellt, aber es interessiert mich wirklich wie das geht, wie man nach Göteborg pendelt, wie man sich das Einkaufen organisiert, warum sie den größeren Wagen fährt als er, warum sie vom Süden nach Göteborg gezogen ist, dass Lehrer in Schweden nicht verbeamtet werden, etc.

Das geht mir im Urlaub meist so. Landschaften finde ich eher so mittelmäßig. meine beiden besten Momente in Island waren zum einen der Busfahrer, mit dem ich mich eine Stunde lang während der Fahrt auf einer sehr persönlichen Ebene unterhalten konnte und der Deutsche in der Kneipe, der vor 35 Jahren nach Island ausgewandert ist. Die Zivilisation zu verstehen, verstehen wie dort das tägliche Leben vonstatten geht. Irre das.

Auf dem Rückweg landen acht Regentropfen auf der Frontscheibe des Autos. Eine dunkle, schwere Wolke zieht über den schwedischen Wald. Nach den acht Tropfen zieht sie aber wieder in Richtung Finnland ab.

Der Pegel im Trinkwasserbrunnen ist mittlerweile sehr niedrig, wir sparen beim Verbrauch, waschen vorerst also keine Wäsche und kochen Speisen die wenig Geschirr und Dreck produzieren. Dusche gibt es keine, Es gibt nur ein kleines Waschbecken an dem man sich waschen kann. Katzenwäsche nennt man das hier. Die meisten springen aber in den Fluss unterm Haus. Auch Klo gibt es keines, nur ein Plumpsklo, den Wasserverbauch haben wir also auf das Minimum reduziert.

 

Montag.

Der erste richtige Tag der Ruhe. Wir schlafen bis halb elf. Ich hatte mehrere wilde Träume. Ich wache mit einer schmerzenden Schulter auf. Im Traum hatte ich mich verletzt, ich weiß den Inhalt des Traumes nicht mehr, aber ich meine, knapp einem Unglück entkommen zu sein, beim Aufwachen war ich jedenfalls froh, nur die schmerzende Schulter mit hinüber in den Tag gebracht zu haben.

Nach dem Frühstück gehen wir hinunter zum Fluss um uns zu waschen. Ich wasche mich als einziger nicht im Fluss, da ich nicht gut schwimmen kann und mir das Wasser schlichtweg zu kalt ist. Auch wenn 23 Grad offenbar warm ist, wie man mir versichert, aber mir ist das egal, ich mag kaltes Wasser nicht und die Süßwasserfische mag ich auch nicht und die seltsamen Algen und das lehmbraune Wasser sowieso nicht. Ich kann auch Katzenwäsche am Waschbecken. Ich lasse mich allerdings ständig mitquatschen, wenigstens auf dem Steg sitzen und die Beine ins Wasser stecken. K zieht sich aus und taupcht ins Wasser, dann kommt sie raus und schäumt sich mit Duschgel ein und springt wieder zurück in den Fluss. Ich sitze nur da und stecke einen Fuss ins Wasser. Irgendwann den zweiten. K sagt ich solle doch die Treppe so weit runtergehen, dass ich bis zu den Oberschenkeln im Wasser bin. Das sei so erfrischend und nachher ginge es mir gut, ich sage nein, interessiert mich nicht, aber ich mache es dann trotzdem, während sie  im Fluss von Ufer zu Ufer schwimmt. Dann beschließe ich mich einzuseifen, warum nicht, dann spare ich mir die Katzendusche. Ich ziehe die Unterhose aus, seife mich ein und setze mich auf der untersten Stufe ins Wasser, dann auch die Achseln, aber ich weiß nicht wie ich die Achseln danach vom Schaum befreien soll, also halte ich mich an der untersten Stufe fest und lasse den Oberkörper ins Wasser gleiten. Es ist kühl, es ist angenehm, ich will gar nicht mehr raus.

K hat mich die ganze Zeit vom Wasser aus beobachtet. Ich weiß, dass es sie freut wenn ich ins Wasser gehe.

Am frühen Nachmittag spielen wir Badminton, aber es ist zu warm, also ziehen wir den Tisch und das Gartensofa in den Schatten des Hauses und lesen.

[Urlaubstagebuch 2]

Freitag

Wir fahren wir nach Göteborg. Meine Frau muss ein paar Behördengänge hinter sich bringen. Wir stellen das Auto im Parkhaus am Hauptbahnhof ab, weil wir nachher noch in die Innenstadt wollen, so laufen wir in der prallen Sonne an einer baumlosen, verkehrsreichen Straße einen Kilometer in östliche Richtung. Die Temperaturanzeige übersteigt die 30 Grad, die steinernen Hausfassaden strahlen die Hitze wider wie Öfen. Man kann sich kaum in der Sonne aufhalten. Die Kleidung klebt. Auf dem Bürgeramt dann: die kälteste Klimaanlage der Welt.

Zurück in der Innenstadt schlendern wir das Einkaufszentrum auf und ab. Für dieses Einkaufsparadies haben sie in den siebzigern das alte Bahnhofsviertel abgerissen. Eine Sünde natürlich. Außer bei über 30 Grad. Da shoppt es sich vortrefflich. Wir beschließen alle Aktivitäten außerhalb des Einkaufzentrums abzublasen. Gegen fünf Uhr fahren wir wieder zurück ins Landesinnere, zu unserem Holzhaus im Wald.

Als wir eine Stunde später ankommen gibt es Essen und Bier. Die Schwiegereltern und der Bruder haben vorgesorgt. Wir sitzen draußen und erzählen uns Dinge.

 

Samstag.

Es ist sehr trocken. Das Gras vor dem Haus ist braun. Für 10Uhr wurde etwas Regen versprochen. K und ich fahren in das nächste Dorf, Alkohol für das Wochenende zu kaufen. Das Systembolaget schließt am Samstag um 14Uhr und öffnet am Sonntag nicht.

Auf dem Dorfplatz findet ein Rockerfest statt. Gut fünfzig Harleys sind auf dem Platz geparkt. Männer in Lederjacken. Lange, graue Haare. Schwedische Flaggen, dänische Flaggen, norwegische Flaggen. Es fällt mir schwer, den Auflauf einzuordnen. Zu viele Nationalflaggen bedeuten für mich ja immer: zu viele Nationalflaggen. Schwierige Sache. Es scheint aber alles friedlich zu sein, verhüllte Muslimas laufen unbekümmert herum. Das ist ein beruhigendes Zeichen, wenn ich bärtig und dunkelhaarig herumlaufe.

Statt ins Haus und zur Familie zurückzukehren fahren wir nach Torpa Stenhus. Ich war da vor zehn Jahren schon einmal, als ich das erste mal Schweden besuchte. Ich wollte es einfach noch einmal sehen. Ohne konkretem Grund, einfach um einen Abgleich mit meiner Erinnerung zu haben, außerdem sind wir bei meinem damaligen Besuch so viel herumgefahren, dass mir die Orientierung fehlte und ich die verschiedenen Gegenden nicht wirklich unterscheiden konnte.

Torpa Stenhus ist eine mittelalterliche Burg. Eine der besterhaltendsten des Landes. Aber ganz anders als die Burgen in Südtirol oder anderswo. Torpa Stenhus ist wie der Name sagt, ein Steinhaus. Ein überdimensioniertes Steinhaus. Ohne Turm oder Festungsvormauern und Zugbrücken. Einfach ein riesiges, etwas unförmiges Steinhaus., mit viel Mauer und kleinen Fenstern. Wie fremd sich die Steinmauern in die Gegend einfügen. Ganz Schweden scheint mir immer aus Holz gebaut. Auch gibt es keine Steinmauern zum Abgrenzen von Wiesen oder Äcker, oder auch nicht diese steinernen Dörfer wie es sie sonstwo in Europa gibt, in Schweden sind Dörfer immer eine Häufung von roten Holzhäusern, lose gruppiert, ohne wirklichem Zentrum, ohne Dorfplatz, auch die Kirchen stehen meist abseits der Häuser, schwedischen Dörfern fehlt es fast durchgehend an zivilisatorischem Drama. Ich habe noch nicht ganz verstanden warum das so ist und niemand konnte es mir bisher sagen.

Die Gegend um die Burg ist sehr schön, sie befindet sich auf einer hügeligen Landzunge zwischen zwei Seeen. Ich muss nicht noch einmal rein, ich war vor zehn Jahren in dem Museum. Auch wollen wir nicht halten, der Parkplatz ist voll, das Restaurant davor ist von zahlreichen Samstagstouristen überfüllt. Also fahren wir weiter in nördliche Richtung auf einer einspurigen Straße durch eine Landschaft aus kleineren Seeen. Die Straße führt durch ein etwas verträumtes Eichenhain. Mit vetrräumt meine ich, dass die Landschaft so unwirklich lieblich weichgezeichnet ist, wie man sie sich sonst nur in Kinderträumen erdenkt.

Der Regen war ausgeblieben. Die Wetterapp vertröstet auf den nächsten Tag. Schon seit Tagen.

[Urlaubstagebuch 1]

Eigentlich wollte ich schon am Dienstagabend vom Büro direkt nach Rostock fahren um dort am nächsten Morgen zu unchristlichen Zeiten die Fähre nach Gedser zu nehmen. Allerdings schaffte ich es nicht, den Bürotag zeitig zu beenden. Als es gegen 18Uhr absehbar wurde, dass ich bald alles erledigt haben würde, begann ich schon einmal mich nach einer Unterkunft für den Abend umzusehen. Alle Hotelprotale meldeten aber das gleiche: nix mehr frei in Rostock. Auch nicht in Bad Doberan, auch nicht in Güstrow, das Gewusel an Hotels an der Küste war auch ausverkauft. Auch Telefonate in einzelne Hotels brachte nichts. Hätte man ja wissen können, sagte man mir. Es scheint die Sonne und es ist Urlaubszeit. Hätte man ja wissen können, sagte man mir auch im Büro.

Nein, sowas weiß ich nicht. Eigentlich will ich sowas gar nicht wissen. Eigentlich will ich losfahren und ein Hotel finden. Das ist ganz wesentlicher Bestandteil von Abenteuertum.

Am nächsten Morgen um 5 Uhr früh stieg ich in mein Auto und fuhr nach Rostock. Ich hatte mir den Strohhut aufgesetzt weil ich mich im Urlaub nur ernst nehmen kann, wenn ich auch einen Strohhut trage. Ich nahm mir vor, Tagebuch zu bloggen, aus dem Urlaub heraus, also davon zu erzählen wie ich im schwedischen Wald sitze und nichts mache als im schwedischen Wald zu sitzen. Das ist eine schöne Herausforderung, wie ich finde.

Fähren. Ich liebe ja Fähren. In den Bauch des Schiffes einfahren, durch die metallenen Gänge auf das Deck hinaufzusteigen, den Möwen zusehen. Und der sommerliche Wind. Auf Fähren schieße ich immer Selfies. Ich weiß nicht warum, das ist ein Reflex. Wie Menschen das Essen fotografieren, so schieße ich Selfies auf Fähren. Müsste ich jetzt psychologisch untersuchen lassen.

Mittlerweile habe ich eine Lieblingsroute wenn ich zu meiner Frau nach Schweden fahre. Zumindest weiß ich theoretisch wie sie verläuft. In der Nähe von Halmstad landeinwärts abbiegen und die Route über Torup nehmen und dann immer weiter nordostwärts. Aus meiner Sicht fährt man da durch ein Bilderbuchschweden. Je kleiner die Straßen desto bilderbüchern wird die Landschaft und knuffeliger die kleinen Orte oder Häusergrüppchen aus rot-weiß gestrichenem Holz. Ich verfahre mich jedes Jahr wieder, das Navi drängt mich immer auf die schnelleren Routen, dem versuche ich ständig entgegenzusteuern, dadurch gerate ich immer wieder auf unbekannten Wegen. Manchmal komme ich ganz vom Weg ab. Diesmal überraschte mich ein leerer Tank. Das ist mir noch nie passiert. Dass ich eine ganze Fahrt nicht ans Tanken gedacht hatte. Die Tanknadel stand schon auf Null. So weit unten hatte ich sie noch nie gesehen und überhaupt wunderte es mich, dass ich offenbar die Tankleuchte für eine lange Zeit nicht bemerkt haben musste. In Berlin würde mir ein leerer Tank nicht so viel Angst machen, im schwedischen Wald bekommt ein leerer Tank aber eine ganz andere Dynamik. Wenn die Sonne scheint denke ich an freundliche Schwedinnen mit verträumten Augen beim Pilzesammeln. Wenn der Tank leer ist, denke ich an riesige, bärtige Männer mit Motorsägen und zu Folterkellern umgebaute Bunkern im Wald.

Nun wusste ich nicht wie lange ich mit der Tanknadel auf Null noch fahren konnte. Ich hatte einmal gelesen, dass man noch mindestens zwanzig Kilometer fahren kann wenn die Warnleuchte aufleuchtet. Manche sagten auch dreißig oder vierzig Kilometer. Je nach Wagen und Geschwindigkeit. Aber mit der Nadel auf Null war ich gut beraten einfach schnellstmöglich Benzin zu finden. Der Motor stotterte noch nicht, ich schaltete die Klimaanlage aus und gab mit der rechten Hand in mein Telefon ein: Tankstelle. Im schwedischen Wald kommen einem nicht so viele Autos entgegen, da muss man nicht immer auf die Straße schauen. Googlemaps zeigte mir eine einsame Tankstelle in 11,3 Kilometern Entfernung an. Jetzt konnten nur zwei Sachen passieren: entweder diese Tankstelle zu erreichen oder auf dem Weg dorthin liegenzubleiben. Um Sprit zu fahren schlich ich mit 20km/h dahin. Die Elfkommadrei schrumpften quälend langsam auf elfkommazwei und elfkommaeins. Undsoweiter. Ich erreichte tatsächlich nullkommanull, war aber mittlerweile dermaßen durchgeschwitzt, dass ich ich mir eine Wasserschicht von den Unterarmen abziehen konnte.

Übrigens: diese gruseligen Selfservice Tanksäulen in den schwedischen Wäldern. Zweitausend Quadratmeter Betonplatte, eine Säule, Zwei Zapfhähne, eine Säule. Drumherum: Wald. Im Wald: bärtige Männer mit Motorsägen. Und Zombies.

Aber: nix passiert diesmal.

Eine Stunde später hielt ich meine Frau in den Armen und bekam ein Bier, und ein Zweites und ein Drittes. Und es gab mein Lieblingsgericht. Pasta mit Thunfisch. Und viel Parmesankäse.

[Donnerstag]

Neben Fährefahren liebe ich es auch, in Schweden zur frühstücken. Ich esse immer salzige Butter mit Marmelade und Schmelzkäse mit Krabben. Das ist nicht sonderlich schwedisch, aber ich esse das immer in Schweden zum Frühstück, insofern ist das my own private Sweden.

Es ist heiß hier und trocken. Um zum Sommerhäuschen zu kommen muss ich über vier Kilometer Schotterstraße fahren. Es ist so trocken, dass ich eine Staubschweif hinter mit her schleppe. Wie ein Komet. Im ganzen Land ist ein Grillverbot ausgerufen worden, weil von jedem kleinen Funken gleich ganze Waldgebiete in Flammen aufgehen. Im Norden sind die Brände immer noch nicht im Griff, im Süden sieht es bereits besser aus. Vor zwei Tagen hat es 40 Kilometer von unserem Haus gebrannt. Aber es konnte schnell gelöscht werden, Sommerurlaub ohne grillen ist natürlich nur so 99% aber wenn man es vorher weiß, dann baut man auch keine Vorfreude auf und da Vorfreude bekanntlich das halbe Vergnügen ist… wie auch immer man so einen Satz zu Ende bringt.

Wir fahren Einkaufen. Zu ICA. Das ist so etwas wie Edeka, nur anders. Größer. Der ICA im Ort muss mehrere zehntausend Menschen in einem Radius von sicherlich 20 Kilometern versorgen. Es ist nur ein kleiner Ort, aber der Ort hat alles. Das heißt einen ICA und den Verkaufspunkt für Alkohol, das Systembolaget. Neben Fährefahren und my own private Frühstück liebe ich auch das Systembolaget. Dass das Systembolaget schon um 17 Uhr schließt mag ich weniger, aber die haben eine riesige und auch überaus exquisite Auswahl an alkoholischen Getränken. Alles fein säuberlich sortiert nach Stilrichtungen und Regionen und Ländern. Vom billigen Booze bis zum fassgereiften und luftgetrockeneten Traubenmost.

Später am Tag sitzen wir vor dem Haus und unterhalten uns. Irgendwann gegen Mitternach kommt die Dämmerung. Und die Mücken. Dann gehen wir ins Haus und legen uns ins Bett.